DCQL: Big Tech gibt Tempo bei Quantensicherheit vor

Quanten-Initiative: Big Tech gibt das Tempo bei der Quantensicherheit vor

Axel Foery, Director Quantum & AI bei DCQL: „Den Fahrplan für die Quantensicherheit schreiben Apple, Google und Cloudflare – nicht Brüssel oder Berlin.“

Frankfurt am Main, 28. Oktober 2026 – Die großen Technologiekonzerne treiben die Umstellung des Internets auf quantensichere Verfahren voran. Und sie bestimmen dabei das Tempo. Darauf weist die Initiative Diplomatic Council Quantum Leap (DCQL) hin. Apple, Google und Cloudflare stellen Webzertifikate und die Verschlüsselung in der Cloud auf Verfahren um, die auch künftigen Quantencomputern standhalten sollen. Die ersten Fristen greifen ab 2027. Axel Foery, Director Quantum & AI bei DCQL, warnt: „Der Zeitplan steht. Gemacht haben ihn die Plattformen. Wer seine Zertifikate bis 2027 nicht modernisiert und automatisiert, riskiert Ausfälle im laufenden Betrieb.“ Für den Mittelstand wird die Quantensicherheit damit DCQL zufolge zur Frage der Betriebssicherheit.

Apple, Google und Cloudflare legen den Zeitplan fest

Zum Hintergrund: Digitale Zertifikate weisen eine Webseite gegenüber dem Browser als echt aus. Sie sind eine zentrale Grundlage verschlüsselter Verbindungen im Internet. Die heute dafür genutzten Verfahren könnten leistungsfähige Quantencomputer künftig knacken.

Apple hat im September einen Regelentwurf für eine neue Art quantensicherer Webzertifikate angekündigt. Nach Apples Plänen sollen diese sogenannten Merkle-Tree-Zertifikate höchstens sieben Tage gültig sein. Google baut für seinen Browser Chrome einen eigenen Vertrauensspeicher für solche Zertifikate auf. Ab dem dritten Quartal 2027 sollen dort weitere Zertifizierungsstellen aufgenommen werden. Die kostenlose Zertifizierungsstelle Let’s Encrypt will die neuen Zertifikate ebenfalls 2027 im Regelbetrieb ausstellen.

Cloudflare hat Ende September angekündigt, selbst zu einer öffentlichen Zertifizierungsstelle zu werden. Quantensichere Zertifikate will das Unternehmen ab dem ersten Quartal 2027 ausstellen – in der Standardausführung kostenlos. Google Cloud schaltet ab Oktober 2026 auf den Lastverteilern seiner Cloud-Plattform eine hybride, quantensichere Schlüsselvereinbarung standardmäßig ein. Kunden können das nur bis Oktober 2027 aufschieben. Danach gibt es kein Zurück mehr. Google weist darauf hin, dass fehlerhafte Programme oder zwischengeschaltete Netzgeräte den Verbindungsaufbau wegen der größeren Datenpakete der neuen Schlüsselvereinbarung abbrechen können.

„Brüssel und Berlin denken in Fristen bis 2030. Den Takt geben aber die Plattformen vor. Und der Takt heißt 2027“, sagt Axel Foery, Director Quantum & AI bei DCQL.

Sieben Tage Laufzeit: Ohne Automatik geht nichts mehr

Eine Laufzeit von sieben Tagen heißt: Jedes Zertifikat muss mehr als 50-mal im Jahr erneuert werden. Von Hand ist das nicht zu schaffen. Läuft ein Zertifikat ab, sind Onlineshop, Kundenportal oder die Schnittstelle zum Lieferanten nicht mehr erreichbar. Noch laufen die neuen Zertifikate parallel zu den klassischen. Doch auch diese werden kurzlebiger: Nach den Regeln des CA/Browser Forums dürfen öffentliche Webzertifikate ab dem 15. März 2027 höchstens 100 Tage gültig sein, ab März 2029 nur noch 47 Tage.

„Ein abgelaufenes Zertifikat legt einen Onlineshop genauso lahm wie ein Hackerangriff. Bei sieben Tagen Laufzeit wird das ohne Automatisierung zur Regel“, erklärt Axel Foery, Director Quantum & AI bei DCQL. „Wer seine Zertifikate heute noch in Tabellen verwaltet, hat ab 2027 ein Betriebsproblem.“

Europa übernimmt Standards, statt sie zu setzen

Die Europäische Union hat sich einen eigenen Zeitplan gegeben. Danach sollen die Mitgliedstaaten bis Ende 2026 nationale Fahrpläne vorlegen. Anwendungen mit hohem Risiko sollen bis Ende 2030 umgestellt sein. Die Bundesregierung hat diese Fristen am 12. Oktober in einer eigenen Leitlinie von Innenministerium, Digitalministerium und BSI übernommen. Die Plattformen sind deutlich schneller. DCQL zufolge übernimmt Europa damit Regeln, die andernorts geschrieben werden.

„Europa diskutiert noch über Fahrpläne, während in Kalifornien Fakten geschaffen werden. Wer die Regeln für die Vertrauensanker des Internets schreibt, bestimmt mit, wie sicher unsere Wirtschaft ist. Europa übernimmt diese Standards, statt sie selbst zu setzen. Das ist eine Frage der digitalen Souveränität“, sagt Harald A. Summa, Chairman der Initiative Diplomatic Council Quantum Leap.

Bestand aufnehmen, automatisieren, Lieferanten fragen

DCQL empfiehlt Unternehmen drei Schritte. Erstens: alle eingesetzten Verschlüsselungsverfahren und Zertifikate erfassen. Zweitens: das Ausstellen und Erneuern von Zertifikaten automatisieren. Drittens: Lieferanten und Dienstleister nach ihrem Fahrplan für die Quantensicherheit fragen. Das reicht vom Hosting-Anbieter bis zum Hersteller der Firewall.

„Machen Sie Inventur. Automatisieren Sie Ihre Zertifikate. Und fragen Sie Ihre Lieferanten nach deren Fahrplan. Wer keine Antwort bekommt, hat auch eine Antwort“, rät Axel Foery, Director Quantum & AI bei DCQL.

„Wir können den Takt der Plattformen beklagen. Ändern werden wir ihn nicht. Umso wichtiger ist es, dass Europa beim nächsten Standard mit am Tisch sitzt“, so DCQL-Chef Harald A. Summa.

DCQL: Diplomatic Council Quantum Leap (DCQL) ist die Kompetenzplattform des Diplomatic Council für Quantentechnologien und Quantensicherheit. Sie bringt Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, um den Wissenstransfer zu fördern und Unternehmen sowie öffentliche Institutionen auf dem Weg in das Quantenzeitalter zu unterstützen.

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