Lieferketten-Expertin: Zollpausen ersetzen keine Resilienz

Lieferketten-Expertin: Zollpausen ersetzen keine Resilienz

Jane Enny van Lambalgen: „Kurze Atempausen im Handelsstreit sind kein Ersatz für Dual Sourcing und Local Sourcing. Die Wochen bis zum 10. Januar 2027 sind ein Arbeitsfenster, keine Entwarnung.“

Buchvorstellung „Firmen-Fitness“ – Lieferketten spielen dabei eine wichtige Rolle – am 20. Oktober um 18 Uhr im Presseclub München: www.diplomatic-council.org/firmen-fitness

Frankfurt, 12. Oktober 2026 – Die Verlängerung der Zollpause zwischen den USA und China bis zum 10. Januar 2027 verschafft der Industrie nur eine kurze Atempause. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte die Frist am 23. September an. Das am 30. Oktober 2025 geschlossene Arrangement, das am 10. November 2026 ausgelaufen wäre, gilt damit zwei Monate länger – kürzer, als viele Unternehmen gehofft hatten. Parallel belastet im Transatlantikhandel ein Zollkorridor von oft 15 Prozent auf EU-Waren die Kalkulation. Jane Enny van Lambalgen, CEO der Beratungsfirma Planet Industrial Excellence, warnt davor, auf diplomatische Feuerpausen zu setzen: „Resiliente Lieferketten entstehen nicht durch Abkommen, sondern durch Dual Sourcing, Local Sourcing und den Abbau interkontinentaler Abhängigkeiten“, sagt die Industrieberaterin.

Handelsfrieden auf Abruf

Der Hintergrund: Die USA und China haben ihren Handelsfrieden um zwei Monate bis Anfang Januar 2027 verlängert. Die Pause ist kein neues Abkommen und keine Zollsenkung. Sie hält bestehende Aussetzungen aufrecht, darunter zusätzliche Vergeltungszölle und verschärfte Exportkontrollen bei Seltenen Erden und Hochtechnologie. Für van Lambalgen ist das kein Grund zur Entwarnung: „Jede Zollpause hat ein Verfallsdatum. Wer seine Supply Chain auf die Hoffnung baut, dass Washington und Peking sich weiter verständigen, riskiert die nächste Frachtratenexplosion und leere Lager. Zwei Monate sind in der Diplomatie viel. In der Qualifizierung eines zweiten Lieferanten sind sie knapp.“

Die Lieferketten-Expertin verweist darauf, dass ein Auslaufen der Zollpause im Januar die europäische Wirtschaft direkt betreffen wird. Ausgesetzte US-Zusatzzölle auf chinesische Waren und die gelockerten chinesischen Exportregeln für Seltene Erden und Hochtechnologie würden dann wieder greifen. „Wer Komponenten oder Vorprodukte aus China für europäische Werke bezieht, zahlt dann entweder mehr oder wartet länger“, bringt es Jane Enny van Lambalgen auf den Punkt. Zudem dürften Waren, die der US-Markt abweist, auf den EU-Markt drängen und dort die Preise unter Druck setzen. „Europa ist kein Zuschauer im chinesisch-amerikanischen Zollstreit, sondern Betroffener ohne Mitspracherecht“, sagt van Lambalgen. „Endet die Pause, steigen die Kosten und der Wettbewerb im Heimatmarkt wird härter. Genau das ist das Szenario, mit dem der Einkauf in den Unternehmen jetzt kalkulieren muss, statt bloß auf eine weitere Verlängerung zu hoffen.“

Dual Sourcing vor der nächsten Frist

Die Expertin rät dringend zu Dual Sourcing als Strategie. „Wenn die Pause endet, ist ein einzelner Lieferant in China ein Klumpenrisiko“, sagt Jane Enny van Lambalgen. Dual Sourcing heiße, je kritische Komponente mindestens zwei qualifizierte Lieferanten zu haben, möglichst nicht im selben Zollraum. „Das klingt teurer als Single Sourcing, bis zur ersten Eskalation. Dann ist die teuerste Versicherung die, die man nicht abgeschlossen hat.“ Zudem empfiehlt die Lieferketten-Expertin Local Sourcing, das heißt, eine Quelle für kritische Komponenten aufzutun, die geografisch nah am Werk liegt.

Local Sourcing statt Scheinsicherheit

Als beispielhaftes Vorbild für diesen zweiten Schritt nennt van Lambalgen die Regionalisierung bei Tesla. Über 90 Prozent der Komponenten des Model Y aus Grünheide stammten aus Europa, in Shanghai liege der lokale Anteil ebenfalls über 90 Prozent. Andere Autohersteller bezögen oft nur 30 bis 60 Prozent lokal. Jane Enny van Lambalgen stellt klar: „Das ist kein Imageprojekt, sondern Risikomanagement. Wer seine kritische Wertschöpfung regional bündelt, übersteht Zollkonflikte besser als jeder, der auf den nächsten Gipfel wartet. Das gilt analog natürlich auch für die Resilienz gegenüber geopolitischen Konflikten.“

Entscheidungen brauchen Daten, nicht Hoffnung

Die erfahrene CEO von Planet Industrial Excellence empfiehlt Unternehmen, Lieferkettenrisiken wie Finanzrisiken zu steuern: mit Szenarien und einem digitalen Zwilling der Supply Chain, der Häfen, Vorlieferanten und Zollpositionen abbildet. „Viele Firmen wissen nicht, welche Teile über welche Häfen laufen. Ohne Transparenz bleibt jede Zollpause ein Glücksspiel“, sagt sie.

Ihre Botschaft an Einkauf und Geschäftsführung: „Die Monate bis Januar nächsten Jahres sollte man nutzen, um Abhängigkeiten abzubauen. Die nächste Verlängerung kommt vielleicht – oder eben nicht. Die Resilienz eines Unternehmens darf nicht vom Terminplan der Diplomatie abhängen. Jahreskontrakte mit nur einem Lieferanten sollten nicht unbesehen über den 10. Januar hinaus verlängert werden.“

Jane Enny van Lambalgen ist Founding Partner und Geschäftsführerin der Firma Planet Industrial Excellence sowie Mitglied bei United Interim, der führenden Community für Interim Manager im deutschsprachigen Raum, und im Diplomatic Council, einer globalen Denkfabrik mit Beraterstatus bei den Vereinten Nationen (UNO). Für Unternehmen ist sie tätig als Interim Manager für Strategie, Operational Excellence, Turnaround, Supply Chain Management und Digital Transformation. Als Managerin auf Zeit übernimmt sie Positionen als CEO, Managing Director, COO, Delegierte des Verwaltungsrats, Aufsichtsrat und Beirat in der mittelständischen Wirtschaft. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit sind internationale Operations-Einsätze mit Fokus auf Produktion, Supply Chain und Logistik. Jane Enny van Lambalgen wurde sowohl 2025 als auch 2026 als „Top Interim Manager des Jahres“ ausgezeichnet.

Weitere Informationen: www.planetie.ch und
www.diplomatic-council.org/vanlambalgen

Presseagentur: euromarcom public relations,
E-Mail: team@euromarcom.de, Web: www.euromarcom.de

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