Managementberaterin: „Auto-Krise ist hausgemacht“

Jane Enny van Lambalgen: „Nicht China oder Tesla sind schuld, sondern jahrzehntelange Selbstzufriedenheit. Die deutsche Autoindustrie muss sich neu erfinden, um nicht als Beispiel für den Niedergang einer Branche durch Innovationsmangel in die Geschichtsbücher einzugehen.“

Frankfurt, 29. Juni 2026 – „Die akute Krise der deutschen Automobilindustrie ist hausgemacht“, erklärt Jane Enny van Lambalgen, CEO der Beratungs- und Managementfirma Planet Industrial Excellence. Die derzeitige desolate Lage sei das Ergebnis jahrzehntelanger strategischer Fehlentscheidungen. „Die Talfahrt hat nicht erst mit der Elektromobilität und auch nicht mit dem automobilen Aufstieg Chinas begonnen. Spätestens seit dem Dieselskandal war erkennbar, dass die Branche den technologischen Wandel unterschätzt und die Kunden aus dem Blick verloren hat., erklärt van Lambalgen.

Der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Group, Oliver Blume, hat kürzlich gesagt: „Das Geschäfts­modell, was uns über Jahrzehnte getragen hat, funktioniert nicht mehr – nicht bei VW, nicht in der Branche und auch nicht in Deutschland insgesamt.“ Jane Enny van Lambalgen hält gegen: „Das ist eine Schutzbehauptung, um vom Versagen in den Vorstandsetagen abzulenken, aufgrund dessen jetzt über 140.000 Arbeitsplätze ins Feuer gestellt werden. Gescheitert ist nicht das Geschäfts­modell, sondern das Management, das die technologische Transformation über viele Jahre verschlafen hat.“

Nach ihrer Einschätzung betrachteten viele Hersteller ihre Kunden über Jahrzehnte als selbst­verständlich. Ziel sei gewesen, möglichst viele Fahrzeuge mit hohen Margen zu verkaufen, anstatt die Bedürfnisse der Käufer konsequent in den Mittelpunkt zu stellen. Die Vision des ehemaligen Daimler-Chefs Jürgen Schrempp Ende der 1990er, eine „Welt AG“ zu schaffen, die mehr Autos produziert als jeder anderer Hersteller, ist für van Lambalgen bis heute ein „Inbegriff der deutschen Auto-Hybris“. Unvergessen sei auch der Auftritt des damaligen VW-Chefs Matthias Müller 2017, als dieser mit den Worten „Ich muss dann doch mal einen Satz zu Tesla sagen“ geradezu eine „Schimpftirade“ vom Stapel ließ, auf den zu dieser Zeit noch kleinen US-Konkurrenten, der aber „gemessen an der Innovationskraft VW schon längst überholt hatte“ (van Lambalgen). Tesla verkaufe, so Müller damals, „mit Mühe 80.000 Autos pro Jahr, Volkswagen elf Millionen.“

Die CEO von Planet Industry Excellence analysiert: „Heute verkauft VW immer noch 5,5-mal mehr Wagen als Tesla, aber beim operativen Gewinn liegen die beiden Unternehmen nahezu gleichauf, weil die Tesla-Marge mit rund 7,5 Prozent etwa 2,7-mal höher ist als die des Volkswagen-Konzerns mit 2,8 Prozent. Das heißt, VW musste 2025 fast neun Millionen Fahrzeuge verkaufen, um operativ ungefähr so viel zu verdienen wie Tesla mit gut 1,6 Millionen Autos. Das verdeutlicht den dramatischen Unterschied bei Kostenstruktur, Preissetzung und Effizienz.“

Falsches Ziel: mehr, mehr mehr statt besser, besser, besser

Jane Enny van Lambalgen bringt es auf den Punkt: „Die deutsche Autoindustrie, allen voran VW, hat auf immer mehr, mehr, mehr statt auf immer besser, besser, besser gesetzt. Kundenwünsche und internationale Wettbewerbsfähigkeit fanden in dieser alten Autowelt keinen Platz. Kunden wurden schlichtweg als Selbstverständlichkeit angesehen, denen man jedes noch so kleine Extra für teuer Geld andrehen konnte.“

Ungehemmte Ausbreitung der Gewerkschaften war Kardinalfehler

Als einen „Kardinalfehler“ stuft es Jane Enny van Lambalgen auch ein, „die ungehemmte Ausbreitung der Gewerkschaften in der Branche“ hinzunehmen. Dadurch sei das unternehmerische Ziel, gute Autos für die Kunden zu attraktiven Preisen zu bauen, weitgehend unter die Räder geraten. Stattdessen sei es abgelöst worden von der Zielsetzung, möglichst viele gut bezahlte Arbeitsplätze zu schaffen. Sie appelliert: „Die Gewerkschaften tragen Verantwortung dafür, die Reform der Arbeitsgesetze voranzutreiben, da dies ein wesentlicher Grund ist, weshalb Unternehmen weniger in Deutschland investieren und ihre Produktion ins Ausland verlagern. Die Selbstbedienungsmentalität auf der Vorstandsebene hat es auch nicht besser gemacht.“

Jane Enny van Lambalgen analysiert: „Mit ihrer eigenen Selbstversorgung beschäftigt hat die Branche aus den Augen verloren, dass ein Automobil in erster Linie ein technisches Produkt ist und dementsprechend vom technischen Fortschritt getrieben sein muss, um auf Dauer erfolgreich zu sein.“ Die Fokussierung auf Arbeitsplätze als ein Hauptziel habe die Branche auch davon abgehalten, neue Produktionsverfahren zu forcieren, die die Kosten senken, aber mit weniger Personal auskommen. Notwendige Struktur­veränderungen seien über Jahrzehnte hinweg verschlafen worden. „Wenn Vorstände und Beleg­schaften Spitzengehälter beziehen, gleichzeitig aber einen technologischen Trend nach dem anderen verschlafen, ist das kein Geschäftsmodell, sondern Selbsttäuschung“, sagt die CEO von Planet Industrial Excellence. Ihre Empfehlung: Die Vorstände sollten in der aktuellen Krise mit gutem Beispiel vorangehen und auf hohe Boni verzichten.

Nach dem erfolgreichen Abwehren der japanischen Konkurrenz in den 1980er- und 1990er-Jahren habe sich die Branche auf ihren Erfolgen ausgeruht. „Man glaubte, der technologische Vorsprung sei dauerhaft. Deshalb wurde weder das rasante Wachstum chinesischer Hersteller ernst genommen noch auch nur die Möglichkeit in Erwägung gezogen, dass ein amerikanisches Unternehmen wie Tesla den Weltmarkt grundlegend verändern könnte“, benennt die Managementberaterin gravierende Versäum­nisse der deutschen Auto-Bosse. Die Folge sei eine gefährliche Selbstzufriedenheit gewesen.

Mobilitäts-Ökosystem statt nur E-Autos

Spätestens mit dem Übergang zur Elektromobilität hätten die Automobil-Vorstände erkennen müssen, dass ihr traditionelles Gebaren am Ende ist. Der Verkauf eines E-Autos allein reiche nicht mehr aus. „Kunden erwarten ein vollständiges Mobilitäts-Ökosystem mit leistungsfähiger Ladeinfrastruktur, digitalen Diensten und kontinuierlichen Software-Updates“, klärt Jane Enny van Lambalgen die Branche auf. „Dieser Zusammenhang wurde viel zu lange unterschätzt.”

Noch gravierender seien jedoch die jahrelangen Versäumnisse der deutschen Autohersteller bei Software, Daten und Künstlicher Intelligenz. „Das moderne Auto ist zu einem Gutteil ein software­definiertes Produkt. Daten, digitale Dienste und Künstliche Intelligenz bilden einen erheblichen Teil der Wertschöpfung“, stellt die Managementberaterin klar. Viele deutsche Hersteller definierten sich aber noch immer überwiegend als klassische Fahrzeugproduzenten.

„Kaum eine Branche hat ihre eigene Zukunft so stark vernachlässigt wie die deutsche Automobilindustrie“, stellt Jane Enny van Lambalgen der Branche ein ausgesprochen schlechtes Zeugnis aus. Sie vergleicht: „Die deutsche Autoindustrie erinnert in vielerlei Hinsicht an Nokia vor dem Smartphone-Zeitalter. Man glaubt, die eigene Marktführerschaft sei unangreifbar, während andere Unternehmen die Spielregeln neu definieren – damals Apple, heute Tesla und die China-Phalanx.“

Im Unterschied zu Nokia ist es für die deutschen Autobauer aber noch nicht zu spät, ist die CEO von Planet Industrial Excellence überzeugt. Sie sagt: „Die Neuorientierung von VW ist zwar für die Betroffenen sehr schmerzhaft, aber sie eröffnet die Chance auf einen Wandel, der dringend notwendig ist. Die deutsche Automobilindustrie muss wieder lernen, sich permanent neu zu erfinden. Technologischer Fortschritt, Softwarekompetenz, Künstliche Intelligenz und konsequente Kundenorientierung müssen künftig wichtiger sein als das Verwalten bestehender Strukturen.“ Andernfalls drohe der deutschen Automobilindustrie als eines der größten Beispiele dafür in Erinnerung bleiben, wie Weltmarktführer ihre Spitzenposition verlieren, weil sie den technologischen Wandel unterschätzt haben.

Jane Enny van Lambalgen ist Founding Partner und Geschäftsführerin der Firma Planet Industrial Excellence sowie Mitglied bei United Interim, der führenden Community für Interim Manager im deutschsprachigen Raum, und im Diplomatic Council, einer globalen Denkfabrik mit Beraterstatus bei den Vereinten Nationen (UNO). Für Unternehmen ist sie tätig als Interim Manager für Strategie, Operational Excellence, Turnaround, Supply Chain Management und Digital Transformation. Als Managerin auf Zeit übernimmt sie Positionen als CEO, Managing Director, COO, Delegierte des Verwaltungsrats, Aufsichtsrat und Beirat in der mittelständischen Wirtschaft. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit sind internationale Operations-Einsätze mit Fokus auf Produktion, Supply Chain und Logistik. Jane Enny van Lambalgen wurde sowohl 2025 als auch 2026 als „Top Interim Manager des Jahres“ ausgezeichnet.

Weitere Informationen: www.planetie.ch und
www.diplomatic-council.org/vanlambalgen

Presseagentur: euromarcom public relations,
E-Mail: team@euromarcom.de, Web: www.euromarcom.de

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