Management-Expertin sieht „Bewährungsprobe für resiliente Lieferketten“ im Nahost-Krieg

Jane Enny van Lambalgen: „Unternehmen sollten inter-kontinentale Dependenzen so weit wie möglich abbauen, um sich vor Lieferengpässen durch Geopolitik, Zölle oder Kriege zu schützen.“

Frankfurt, 9. März 2026 – „Der Nahost-Krieg stellt eine Bewährungsprobe für die Resilienz industrieller Lieferketten dar“, sagt Jane Enny van Lambalgen, CEO der Beratungs- und Managementfirma Planet Industrial Excellence. Sie erklärt: „Nach der Corona-Pandemie haben viele Industrieunternehmen auf Local Sourcing umgestellt, um ihre Abhängigkeit von Zulieferern aus Übersee zu reduzieren. Beim Trump‘schen Zoll-Chaos haben viele dieser Firmen bereits von der Neuausrichtung profitiert. Aber erst der Nahost-Krieg ist die Nagelprobe, wie gut die Regionalisierung der Versorgungsstrukturen tat­sächlich gelungen ist.“

Die Management-Expertin verweist darauf, dass derzeit praktisch alle relevanten Seewege zwischen Asien und Europa blockiert sind: die Straße von Hormus, der Persische Golf, der Golf von Oman, das Rote Meer einschließlich Bab al-Mandab als einziger südlicher Zugang zum Suezkanal und der Suezkanal selbst. Die Umleitung über das Kap der Guten Hoffnung ist mit zehn Tagen bis zwei Wochen längerer Transitzeit verbunden. Bei den Frachtraten ist mit Steigerungen von 30 bis 60 Prozent zu rechnen – auch im Luftfrachtverkehr, der ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen ist. „Neben höheren Kosten und deutlichen Verzögerungen stellt die Überlastung der Häfen ein riesiges Problem dar“, sagt Jane Enny van Lambalgen. Sie spricht von einem „Lieferketten-Chaos, das zu Produktions­stopps und höheren Endverbraucherpreisen bei vielen Produkten führen wird.“ Als Beispiele nennt sie Industrieteile, Elektronik und Konsumgüter aller Art.

Jane Enny van Lambalgen: Weckruf für Europa

Für die europäische Politik sollte der Nahost-Krieg ein Weckruf sein, die interkontinentale Energie­abhängigkeit zu reduzieren. „Ähnlich wie die Rolle von Starlink im Ukraine-Krieg ein Aufbruchsignal für die europäische Satelliten- und Raumfahrtbranche war, sollte der aktuelle Flächenbrand im Nahen Osten ein Weckruf für die europäische Energieversorgung und Industrieproduktion werden“, sagt Jane Enny van Lambalgen. Dabei sollte neben dem Ausbau der Erneuerbaren Energien auch eine Rückkehr zur Kernkraft nicht ausgeschlossen werden, rät sie der Politik insbesondere in Deutschland.

Für die industrielle Produktion der Unternehmen hat sie vor allem einen Rat: „Local Sourcing“. Sie sagt: „Die Besinnung auf Zulieferer vor Ort oder jedenfalls auf dem eigenen Kontinent erhöht nicht nur die Resilienz gegenüber geopolitischen Störungen, sondern senkt auch die Kosten.“ Zudem sei die lokale Beschaffung gut für die Umwelt. Die Managementberaterin empfiehlt daher allen Industrieunternehmen, ihre Lieferketten regionaler aufzustellen. Sie berichtet: „Nach Corona haben wir bei Planet Industrial Excellence etliche Anfragen aus dem industriellen Mittelstand zur Diversifizierung und Regionali­sierung der Lieferketten erhalten. Leider hat nur ein Teil der Unternehmen, für die wir entsprechende Konzepte entwickelt hatten, diese auch umgesetzt.“

Der Grund: Für viele mittelständische Unternehmen, die oft tief in globalen Nischenmärkten verankert sind, kann es ein langwieriger und teurer Prozess sein, neue Zuliefererbeziehungen aufzubauen und unter Umständen sogar eigene Produktionsstätten zu verlagern. Dennoch stuft die Management-Beraterin die „Re-Regionalisierung von Lieferketten“ als den „strategisch besten Weg ein, um sich mehr Unabhängigkeit von geopolitischen Unsicherheiten zu verschaffen.“ Sie sagt: „Unternehmen sollten interkontinentale Dependenzen so weit wie möglich vermeiden.“

Digitaler Zwilling als Grundlage für faktenbasierte Entscheidungen

Als zweite wichtige Lehre aus Corona, die sich angesichts des aktuellen Kriegs im Nahen Osten „leider bewahrheitet hat“, stuft sie die Einrichtung eines sogenannten „Digitalen Zwillings“ ein. Dabei handelt es sich um eine digitale 1:1-Simulation der Fertigung und der Supply Chain. Jane Enny van Lambalgen erklärt: „Anhand eines digitalen Zwillings lässt sich jederzeit durchspielen, welche konkreten Aus­wirkungen aktuelle Krisen von Zöllen bis Kriegen auf die eigene Versorgungslage und die Produktion haben. So erhält die Unternehmensführung binnen kürzester Zeit verlässliche Daten als Grundlage für faktenbasierte Entscheidungen.“

Jane Enny van Lambalgen sagt: „Die aktuelle Entwicklung im Nahen Osten zeigt erneut, dass Resilienz in Lieferketten nicht nur ein Nice-to-have, sondern eine absolute Notwendigkeit ist. Die deutsche Industrie steht vor der Aufgabe, die Vorteile ihrer globalen Vernetzung weiterhin zu nutzen, gleichzeitig aber strategische Abhängigkeiten zu reduzieren.“

Jane Enny van Lambalgen ist Founding Partner und Geschäftsführerin der Firma Planet Industrial Excellence sowie Mitglied bei United Interim, der führenden Community für Interim Manager im deutschsprachigen Raum, und im Diplomatic Council, einer globalen Denkfabrik mit Beraterstatus bei den Vereinten Nationen (UNO). Für Unternehmen ist sie tätig als Interim Manager für Strategie, Operational Excellence, Turnaround, Supply Chain Management und Digital Transformation. Als Managerin auf Zeit übernimmt sie Positionen als CEO, Managing Director, COO, Delegierte des Verwaltungsrats, Aufsichtsrat und Beirat in der mittelständischen Wirtschaft. Schwerpunkte ihrer Tätigkeit sind internationale Operations-Einsätze mit Fokus auf Produktion, Supply Chain und Logistik. Jane Enny van Lambalgen wurde sowohl 2025 als auch 2026 als „Top Interim Manager des Jahres“ ausgezeichnet.

Weitere Informationen: www.planetie.ch und
www.diplomatic-council.org/vanlambalgen

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