Verschwörungstheorien und PR-Strategien

Veröffentlicht am: von Andreas Dripke

Jemandem zu unterstellen, er verbreite Verschwörungstheorien, ist die beste oder je nach Betrachtungsweise schlimmste Methode, ihn als „unglaubwürdigen Spinner“, als „nicht ernst zu nehmenden Sonderling“ oder gar als „politischen Extremisten“ zu brandmarken. Doch dieses Denkmuster ist falsch, weil es unterstellt, dass nur das Offensichtliche Realität ist und es nichts Wesentliches gibt, was im Verborgenen stattfindet. Tatsächlich gibt es jedoch gute Gründe, genau das Gegenteil anzunehmen: Außerhalb dessen, was Politiker, Behörden, Unternehmer, Konzerne, Funktionäre und Medienmacher öffentlich von sich geben, gibt es viel mehr, was nicht gesagt wird. Es ist viel vernünftiger, zu unterstellen, dass es Absprachen und Kooperationen im Verborgenen gibt, über die die Beteiligten nicht sprechen, als davon auszugehen, dass jeder mehr oder minder alles an die Öffentlichkeit trägt. Es ist ebenso rational, vernünftige Annahmen über mögliche Abmachungen zu treffen, um sie gegebenenfalls einer genaueren Prüfung zu unterziehen.

So gesehen sind „Verschwörungstheorien“ nichts anderes als Hypothesen über Zusammenhänge, die nicht öffentlich und möglicherweise auch nicht offensichtlich sind. Es gibt sicherlich Hypothesen, die einleuchtender sind als andere, aber sie allesamt als „Spinnerei“ abzutun, die Spekulationen über mögliche Absprachen einem Denkverbot zu unterziehen, wird der Sache nicht gerecht.

Es geht also nicht um ein Plädoyer, jeder „Verschwörungstheorie“ zu glauben. Aber es ist überaus sinnvoll, Hypothesen zuzulassen, sie abzuwägen, die absurden zu verwerfen und die plausiblen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Das ist nichts anderes als ein Appell an den gesunden Menschenverstand, zu begreifen, dass vielleicht nicht alles, aber eben doch vieles, das denkbar ist, auch machbar ist – und möglicherweise tatsächlich von irgendjemandem getan wird.

Wir als PR-Agentur führen natürlich vertrauliche Gespräche mit unseren Kunden, um die Ziele zu besprechen und Maßnahmen zu entwickeln, diese zu erreichen. Diese Ziele sind je nach Kunde sehr unterschiedlich z.B. mehr Leads, mehr Geschäft, höherer Bekanntheitsgrad, besseres Image, Präsentation als attraktiver Arbeitgeber, Vertrauen schaffen bei Mitarbeitern, Kunden, Händlern oder Lieferanten, Investoren gewinnen… Es gibt viele unterschiedliche Ziele; einige davon erscheinen offensichtlich, andere bleiben besser zumindest eine Zeitlang im Verborgenen, bspw. der Unternehmer, der auf der Suche nach einer Nachfolgelösung ist, also u.U. die Firma verkaufen will und sich dafür durch geschickte PR positioniert. Aber auch das Erobern neuer Marktsegmente, die Abgrenzung gegenüber bestimmten Wettbewerbern und ein ganzes Spektrum weiterer Maßnahmen geschieht, ohne dass die dahinter steckende Absicht offengelegt wird. Wir nennen das ganze freilich nicht „Verschwörung“, sondern PR-Strategie!