Das bittere Ende einer E-Mail

Veröffentlicht am: von Erika Waibel

Die E-Mail ist das bekannteste, erfolgreichste und beliebteste Kommunikationsmittel des Internet-Zeitalters. Einfach mal schnell dem anderen mitteilen, was er tun sollte, was man selbst getan hat oder was ein Dritter noch tun wird und das alles, ohne dabei den Mund aufmachen zu müssen. Irgendwie basiert das ganze Internet doch auf der E-Mail, erfunden, um am besten gar nicht mehr vom Schreibtisch aufstehen zu müssen.

Doch so eine E-Mail hat es in sich.

Das fängt schon bei der Begrüßung an. Wie spreche ich das Gegenüber an? Brauche ich die Anrede, oder ist das inzwischen auch schon „old school“? Wenn ich eine benutze, ist dann ein „Sehr geehrter“ zu viel? Aber „Hallo“ ist doch eigentlich zu wenig. Oder nicht? Weiter geht es mit dem, was ich sagen möchte. Missverständnisse entstehen ja so schnell. In langen Sätzen gehört es also zu den größten Herausforderungen, nicht falsch verstanden zu werden. Doch bringt man es denn auf den Punkt, was man sagen will, denn die kurzen Sätze klingen oft so schroff, viel schroffer als sie eigentlich gemeint gewesen waren. Und so macht sich schnell Verzweiflung breit: Versteht überhaupt irgendjemand was ich sagen will? Und das bittere Ende kommt erst noch: „Viele Grüße“, „Liebe Grüße“ oder doch lieber ein herzliches „Tschüss“?

Kommunikation ist bei allen Zweifeln aber wirklich keine Einbahnstraße.

Eigentlich ist nämlich alles ganz einfach. Schließlich haben wir mit den ersten Worten unseres Lebens kommunizieren gelernt. Wir haben gelernt uns in Schrift und Sprache auszudrücken (ein paar vielleicht sogar über Kunst und Musik und doch würde das an dieser Stelle zu weit führen). Es kann also rein logisch gar nicht sein, dass wir unser ganzes Wissen in dem Moment wieder verlernt haben sollen, als wir gezwungen wurden, eine E-Mail zu schreiben.

Wir müssen also nur drei Schritten zum E-Mail Glück folgen:

Am Anfang steht die Aufgabe, sich in den anderen hineinzuversetzen und das egal wie. Kenne ich den Herrn oder die Dame vielleicht und ahne, was für sie wichtig sein könnte? Kenne ich meinen Ansprechpartner nicht, steht im Vordergrund die Frage: Was will ich ausdrücken? Wenn ich eine Spende sammeln möchte wäre Seriosität gefragt, wenn ich allerdings zu einem Schulfest einlade, so wird ein „Hallo“ als Ansprache genügen.

Im Verlaufe der E-Mail steht dann die Aufgabe zu erkennen: Was würde ich selbst gerne hören? Wie will ich selbst behandelt werden? Es sind einfache, selbstreflexive Gedanken, die es schaffen, dass sich das Gegenüber nicht vor den Kopf gestoßen fühlt. Wichtig ist und bleibt dabei immer, sich selbst treu zu bleiben. Unterschreibt das Gegenüber zum Beispiel immer mit LG? Antworten Sie ebenso. Doch wenn sie sich unwohl fühlen, wählen sie „viele Grüße“.

Es ist Ihre Kommunikation.

Wichtig für den Schreiber wie den Leser ist, dass keine E-Mail ein bitteres Ende nehmen sollte. Eine E-Mail ist vielmehr ein untrügliches Zeichen für eine gesunde Kommunikation. Vieles Nachdenken wird hier nicht helfen, sondern schadet jedem Gespräch – ob nun schriftlich oder nicht. Vertrauen Sie also Ihrem Bauch. Und wenn das Vertrauen mal stocken sollte, dann denken Sie doch einfach mal an Ihr erstes Date zurück. Wenn Sie damals gleich einfach „ich liebe Dich“ gesagt hätten, wäre alles mit großer Sicherheit anders verlaufen.